Das positivste an dieser Ausgabe des Lustigen Taschenbuchs ist wohl, dass wieder Donald-Duck-Dailies aus den 50ern veröffentlicht werden, womit eine über einjährige Pause überwunden ist. Ansonsten gibt es leider wenig gutes zu berichten: Wiederum leidet das sowieso schon meist dürftige Niveau der Storys an ebensolchen Zeichnungen. Dadurch kommt keine Geschichte richtig gut rüber, auch wenn teilweise immerhin gute Einfälle vorhanden waren. Eine chronologische Analyse:
Am Anfang war das Eis ist eine Story, in der es mal wieder um Zeitmaschinen und aus ihnen entstehende Paradoxa geht. Sie wird dadurch zwar etwas verwirrend, ist aber bei logischem Nachvollziehen bis auf Kleinigkeiten richtig aufgebaut. Aber auch wieder kleine schwachsinnige Einfälle, so ist Donald bald für alles auf der Welt durch Zeitreisen verantwortlich, dieses Mal ist es die Zivilisation. Auch etwas seltsam ein Geheimcode Onkel Dagoberts, eine Kostprobe: "Streichelzoo! Es kocht im Kühlschrank! Linsen wäre Hauptgericht!" - "Der Adler führt die Pauke im Geifieder."
In Der Sound der Zukunft erfindet Daniel Düsentrieb einen Roboter, der sich selbst Musik komponiert und diese dann spielt. Annehmbare Idee, aber leider ist dieser Roboter sehr stark als Schoßhündchen dargestellt und die Geschichte wird am Ende etwas kitschig.
Als Komparsen versuchen sich Donald und Dussel in Aliens - sie sind da! in einen Sciene-Fiction-Film. Leider verlaufen sie sich aber, und da ihre Kostüme keine Arme haben, kommen sie nicht wieder heraus und versetzen Entenhausen in Panik. Mäßige Idee, hier auch noch nur bedingt gut umgesetzt.
Dass Donald ein Verschwender ist, ist nicht neu. Das Onkel Dagobert ihn wandeln will auch nicht, und genau das ist der Plot von Finanzielle Schocktherapie. Einzig neuer Einfall darin: Die Geschichte davon, wieso er geizig wurde. Außerdem wirkt die Geschichte nicht abgeschlossen: Es kommen Anspielungen vor, die einfach nicht mehr erklärt werden.
Auch eine Joaquin-Micky-Story ist wieder dabei, wie immer. Sie handelt  (nix neues)  von einem korrupten Polizisten und heißt Piraten im Weltraum. Die finale Auflösung ist ebenso alter wie selten verwendet: Kinder spielen. Unter solchen Bedingungen wird man selbst als Micky-Fan bald zum Micky-Gegner...
Untergetaucht ist eine Kurzgeschichte um Donald als Computerspielefreak, der deswegen alle Verabredungen platzen lässt, mäßig gelungen.
Mal wieder Nachbarschaftsstreit gibt es in Der Trick mit dem Tölpltäuscher. Donald und sein Nachbar Zanker wollen ihren Neffen bei einem Aufsatz über Vögel helfen und schleppen die ausgefallensten Exemplare an. Immerhin wurde auf das Standardende verzichtet, bei dem eigentlich der Text über den normalsten Vogel gewinnen müsste, aber das gewählte ist auch nicht viel besser, bei dem Donald als Ausstellungsstück dient.
Die Traumhochzeit beruht wenigstens mal auf einer guten Idee, denn alte Traditionen leben wieder auf. Gitta will heiraten, auch eröffnet sie ein Hochzeitsgeschäft. Aber erstens sind die Zeichnungen nicht allzu schön (Scala), und zweitens wird aus dem Ansatz nichts gemacht, grundlegende Charaktereigenschaften Dagoberts werden verändert, in der Geschichte aufgebrachte Traditionen nicht richtig umgesetzt.
In Ein Fall für Rabiator wird Donald übers Arbeitsamt Hotelmanager in einer Starabsteige (scheinbar durch eine Verwechslung, wird aber nicht erklärt), in der dann die klassischen Kriminalmotive auftreten.

ÜBERSICHT:

- Am Anfang war das Eis (S: J.Moore / Z: J.Carrion / D 97131)
- Der Sound der Zukunft (S+Z: E.Faccini / I TL 2274-2)
- Aliens - sie sind da (S: C.Gentina / Z: S.Camboni / I TL 2295-1)
- Finanzielle Schocktherapie (S: N.Russo / Z: F.Guerrini / I TL 2079-2)
- Piraten im Weltraum (S: A.Pihl / Z: Joaquin / D 99095)
- Untergetaucht (S: G.Cordara / Z: M.Lucania / I TL 2316-2)
- Der Trick mit dem Tölpltäuscher (S: B.Sarda / Z: R.Marini / I TL 2306-2)
- Die Traumhochzeit (S: C.Panaro / Z: G.Scala / I TL 2217-5)
- Ein Fall für Rabiator (S: A.Pihl / Z: Miguel / D 99011)

Als Extra:
Die 19 Daily-Strips vom 3.1.1955-22.1.1955, alle S: B.Karp, Z: A.Taliaferro
mit begleitendem Text von Wolfgang J.Fuchs "100 Jahre Walt Disney 1"

GRÜN=Lesetipp
ROT=FLOP
 

von Carsten Spitz